Neuentwicklungen (seit 2019)

Für diejenigen, welche meine früheren Arbeiten schon kennen, habe ich hier einige meiner Neuentwicklungen versammelt. Wie bisher faszinieren mich optische Effekte und ich fand, dass auch schräge Ideen sich mit Schmuck wundervoll ausdrücken lassen. Wie immer gehört bei mir zu jedem Schmuckstück eine kurze Erklärung oder eine kleine Geschichte.

e-Ring of Fire

Handschmuck
Silber 925, roter Epoxid-Kunststoff, LED, Knopfbatterie, Positionsschalter
Spiegeldurchmesser 28 mm

Dieser selbstleuchtende Handschmuck ist eine Weiterentwicklung des Modells "Ring of Fire", das ich schon früher beschrieben habe (s. link unten). Der farbige Plexiglasstab im Zentrum des Hohlspiegels wurde hier durch eine von einer Knopfbatterie gespiesene LED ersetzt. Ein Positionsschalter schaltet die LED aus, sobald e-Ring of Fire auf den Kopf gedreht wird.

https://www.labhart-schmuck.ch/de_preview/preview_schmuck/OptischerSchmuck#article_22028

Eye Glow

Handschmuck
Schwarzer Kunststoff, LED, Mattscheibe, Knopfbatterie, Positionschalter
Durchmesser 34 mm
Entwickelt in Zusammenarbeit mit Eric Meyer

In habe in früheren Jahren in der zoologischen Grundlagenforschung gearbeitet und u.a. die Funktion von Insektenaugen untersucht (s. Sektion Über Mich). Nachtaktive Insekten zeigen ein interessantes optisches Phänomen, das sogenannte Augenleuchten (eye glow) : Wenn man sie im Dunkeln mit einer Taschenlampe bestrahlt, leuchten deren Augen auf und scheinen aktiv Licht auszusenden. Denn ein Teil des ins Auge fallenden Lichtes wird von einer Art Spiegel im Augenhintergrund zurückgeworfen, ein Mechanismus, der die Lichtempfindlichkeit des Auges verstärkt. Ein ähnliches Phänomen lässt sich auch bei einigen Säugtieren, z.B. Katzen oder Füchsen, beobachten.

Mit diesem Handschmuck habe ich das Phänomen des Augenleuchtens von Insekten 100x vergrössert simuliert. Insekten haben sogenannte Fazettenaugen, d.h. sie bestehen aus einer grossen Anzahl (ca. 100 bis 10000) von lichtempfindlichen Modulen (sog. Ommatidien), die alle in eine etwas andere Richtung schauen und so dem Insekt ein Mosaikbild der Umwelt bieten. Die schwarze, 3D-gedruckte Halbkugel mit der Vielzahl von feinen Bohrungen (Ommatidien entsprechend) bildet ein Insektenauge nach. Im Zentrum der Teilkugel sitzt eine LED-Lichtquelle, deren Licht durch die Bohrungen nach aussen dringt. Weil die Ommatidien alle verschieden ausgerichtet sind, erscheint nur eine kleine Gruppe von ihnen gleichzeitig erhellt, eine Gruppe, die beim Drehen der Halbkugel über das Auge wandert. Der Effekt ist auch bei hellem Tageslicht deutlich sichtbar und wirkt nachts sehr geheimnisvoll. Ein Positionsschalter schaltet die LED aus, sobald Eye Glow auf den Kopf gedreht wird.

Ufos

Fingerring, Silber 925, gelbes Plexiglas, Nitinol-Draht (hyperelastisch), Spiegeldurchmesser 31 mm

Ueber einem silbernen Hohlspiegel «schwebt» ein kleines gelbes Ufo. Schon die kleinste Handbewegung bringt das Ufo dazu, an seinem feinen, hyperelastischen Draht hin und her zu pendeln oder zu kreisen. Das Ufo wird vom Hohlspiegel in gleicher Grösse gespiegelt, so dass aus nur einem Ufo deren zwei werden. Die beiden Ufos bewegen sich aber in entgegengesetzter Richtung, so dass die beiden Raumschiffe einander zu jagen scheinen.

Antenne vibro

Fingerring
Silber 925, farbiges Plexiglas, Nitinol-Filament, Spiegeldurchmesser 20-25 mm

"Antenne vibro" ist eine neue Version des Models "Antenne", das ich schon früher auf dieser Webseite beschrieben habe (s. link unten). Der kleine Plexiglasstab im Brennpunkt des Hohlspiegels, der für den überraschenden Farbeffekt sorgt, ist bei der Vibro-Version nicht starr sondern auf ein hyperelastisches Filament (Nitinol) montiert. Das führt dazu, dass das Plexiglasstäbchen und damit auch die Farberscheinung beim Tragen des Rings ständig leicht vibriert. Das mag die Trägerin faszinieren, kann aber bei einem Gespäch ihr Gegenüber ziemlich irritieren -- perfekt für eine schwierige Verhandlung ...

https://www.labhart-schmuck.ch/de/schmuck/OptischerSchmuck#article_176

Willhelm Tell

Anhänger
Silber 835 (5-Frankenstück, 1969), Nitinol-Filament, Plexiglas
Durchmesser 30 mm

Die Optik dieses Anhängers ist die gleiche wie die des Motivs "Antenne" (s. link unten). Der Hohlspiegel wurde hier aber aus einer alten Silbermünze (Fünfliber) mit der mythischen Figur des Willhelm Tell geformt (statt aus einem glatten Silberplättchen). Je nach Betrachtungswinkel errötet Willhelm Tell oder der kleine rote Apfel mit dem Schweizerkreuz erglüht.

"Antenne":
https://www.labhart-schmuck.ch/de/schmuck/OptischerSchmuck#article_176e

Wellenspiel

Handschmuck, Fingerring
Silber 925, Durchmesser 40 mm

Wenn es regnet, erzeugen die Regentropfen beim Aufprall auf stillen Wasserflächen kleine Kreiswellen, die sich überschneiden und dabei faszinierende Wellenformationen, sog. Interferenzmuster, bilden. Man sollte sie in Silber nachbilden können! Doch Wasser ist flüssig, die Wellenmuster flüchtig; das verunmöglicht das Abformen, z.B. mit Gips. Hingegen gehorchen die Wellenmuster physikalischen Gesetzen, und sie sind damit mathematisch simulierbar. Mit einem Computerprogramm lassen sich die Interferenzmuster von zwei sich überschneidenden Kreiswellen berechnen und virtuell auf dem Bildschirm darstellen. Eine Momentaufnahme des Wellenmusters lasse ich in Kunststoff 3D-drucken: Eine reale Nachbildung eines Interferenz-Musters liegt nun vor! Sie dient als Vorlage für einen Sandguss mit der gängigen Giessring-Methode: Es entsteht ein Handschmuck aus Silber, bei dem der Gusszapfen als «Anker» für das ausladende Wellenmotiv dient.

Das Motiv lässt sich auch auch auf einen Ring montieren, hier tief geschwärzt als tiefes, wenn auch nicht stilles, Wasser.

Fakir

Fingerring
Silber 925 resp. Kunststoff, Durchmesser 25-27 mm

Trotz der drohend nach innen gerichteten zwölf Dornen ist dieser Fingerring erstaunlich angenehm zu tragen. Denn die Dornen verteilen den Druck auf den Finger gleichmässig, genauso wie die Vielzahl der Nägel dem Fakir auf dem Nagelbett keine Beschwerden bereiten.
Von Fakir gibt es verschiedene Versionen: Aus Silber oder schwarzem Kunststoff (3D-gedruckt), Profil der Ringschiene aussen abgerundet oder mit Grat.

Büsser-Ring

Ring
Silber 925 z.T. geschwärzt, Plexiglas

Der "Büsser-Ring" ist eine Um-Interpretation des "Fakir"-Motivs. Auf um den Ring herum windet sich Evas Schlange mit dem Apfel im Maul als Symbol für den Sündenfall. Sünder müssen diesen Ring mit den extra spitzen Dornen für sieben Tage tragen ...

Sankt Silex

Objekt
Silber 925, Rubine, Plexiglas, Glas und andere, z.T. ziemlich exotische Materialien (s. Teilnahmeformular)
4.5 cm x 3.5 cm x 1.5 cm

Das Objekt mit dem Namen "St. Silex" ist ein Beitrag zur sog. Matchbox-Ausstellung des Vereins "Forum für Schmuck und Design" (ffsd.de). Bei dieser Wanderausstellung (ab 2020 in D und CH) waren 55 Schmuck-Gestalter beteiligt. Der Ausstellungs-Katalog kann unter " https://ffsd.de/ausstellung/matchbox " heruntergeladen werden:

Es mussten folgende Regeln beachtet werden:
(1) In einem ersten Schritt hatte jeder Teilnehmer eine Streichholzschachtel gefüllt mit mehr oder weniger schmuckfähigen Gegenständen an die Organisatoren einzusenden.
(2) Dann wurde jedem Teilnehmer eine der anderen 54 Matchboxes (mit Inhalt) zugeteilt und zugestellt.
(3) Aufbauend auf dem zugeteilten Material sollte ein Schmuckstück oder ein Objekt hergestellt werden, mit folgenden strengen Regeln:
a) Es muss alles Material verwendet werden
b) Es darf eigenes Material hinzugefügt werden
c) Das entstandene Objekt muss wieder in die Matchbox passen
d) Ein Text-Kommentar zu Hintergrund und Entstehung des Objekts ist gewünscht.
e) Die Matchbox kann verziert werden (optional).

Hier ist die skurrile Geschichte, die hinter dem seltsamen Objekt St. Silex steckt:

EIN RELIQUIEN-SCHREIN FÜR SANKT SILEX!

- Meine Reaktion beim Öffnen der Matchbox:
Huch, was soll das! Das sieht ja aus wie Markknochen (s. Bild)! Wen stellt wohl die Gemme mit der helmartigen Kopfzier dar: Einen Soldaten, einen Adligen oder gar einen Gott? Und was könnten Gemme und Markknochen miteinander zu tun haben?

- Das grosse Fabulieren:
Knochenfragmente von Heiligen sind wichtige Reliquien; allerdings ist das vorliegende Querschnitt-Format doch sehr ungewöhnlich. Dass weltliche Soldaten oder Adelige heiliggesprochen wurden, ist dagegen immer wieder vorgekommen (Paulus, Ignatius, Jeanne d’Arc). Unser Heiliger (unterhalb der Gemme dargestellt) hat offenbar allem Weltlichen gründlich entsagt: Der wilde, rote Haarwuchs lässt ein entbehrliches Eremitenleben vermuten. Von den Zähnen ist nur ein einziger übriggeblieben, die starren Augen verraten Fanatismus. Aber der sehr substantielle Heiligenschein, der sogar die Knochenscheiben durchdringt, wirkt überzeugend.
Das Innere der «Markknochen» bestehe aus Flint (Silex, Feuerstein), erfahre ich. Das Knochenmark ist also in kurzer, geschichtlicher Zeit zu Feuerstein versteinert. Schon allein dieses Wunder wäre Grund genug, den Mann heilig zu sprechen! Sein Name ist allerdings unbekannt; der Mann soll aber in einem früheren Leben (in der Steinzeit) eine geniale Technik zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen aus Feuerstein erfunden haben (sog. Schlagtechnik; flint knapping). Ich verleihe ihm deshalb den Namen Heiliger St. Silex.

- Die Umsetzung der Geschichte:
Mit dieser ziemlich wilden Geschichte hatte ich relativ rasch eine Verknüpfung zwischen Gemme und «Knochen» schaffen können (Knochen-Reliquien des Gemmen-Heiligen). Die Umsetzung der Idee in ein Objekt hat dagegen noch einiges Kopfzerbrechen, aber auch viel Spass bereitet.

- Das Ergebnis meiner Matchbox-Übung ist ein Miniatur-Reliquienschrein (Reiseversion?), ein ziemlich «barockes» Objekt, das absolut nicht meinem minimalistisch-konkreten Schmuck-Stil entspricht. Einzig meinem Grundsatz, dass hinter jedem Schmuckstück eine kleine Geschichte stecken soll, konnte ich treu bleiben.

Sehnsucht

Anhänger
Silber 925 (geschwärzt), Glas, Acrylfarbe Gold, künstliche Wimpern
2.5 cm x 2.5 cm x 4 cm

Beitrag zu einer Wander-Ausstellung des "Forums für Schmuck und Design" (ffsd.de) zum Thema "2020 - ein besonderes Jahr" (ab Frühjahr 2021 in D und CH unterwegs).

Mein Schmuckstück drückt Gefühle aus, die viele von uns im Verlauf der Covid19-Pandemie während Lockdown, Quarantäne oder Isolation bedrückten: Man muss oder sollte zu Hause bleiben. Die Wohnung ist behaglich, der Kühlschrank aufgefüllt, ungelesene Bücher stapeln sich, und sogar eine kleine Werkstatt ist da -- es fehlt eigentlich nichts Überlebenswichtiges. Doch das Zuhause erweist sich als goldener Käfig: Man fühlt sich eingesperrt, es wird eng, Angst kommt auf. Und man kriegt Sehnsucht nach Draussen: nach Gesellschaft, menschlicher Nähe, Anregung, Normalität.

Mein Schmuckstück, ein Anhänger, setzt sich aus zwei konzentrischen, geometrischen Grundformen zusammen, aus einem Würfel und einer Kugel. Der Würfel ist aussen metallisch grau gefärbt, zugleich abweisend und schützend. Die goldene Innenseite signalisiert Sicherheit und Behaglichkeit. Eine Seite ist etwas aufgeklappt, um gleichzeitig Ein- sowie Ausblick zu gewähren. Denn der Würfel beherbergt ein kugeliges, mit Wimpern ergänztes kleines Glasauge, ein Auge, das sehnsüchtig nach Draussen blickt.

Den Anhänger «Sehnsucht» trägt man am besten an einer langen, dünnen Kette, so dass er sich drehen kann, und damit unterschiedliche Ein- und Ausblicke ermöglicht. Auf dem Schreibtisch platziert bildet der Anhänger eine Kleinst-Skulptur.

Navigator

Fingerring
Silber 925, magnetischer Kompass (Durchmesser 22 mm)

Der Navigator-Ring ist die ideale Ergänzung zum Equilibrium-Ring (s. link unten). Hat man mit Hilfe von Equilibrium einmal seine Basis gefunden, lässt Sie Navigator jederzeit die korrekte Zielrichtung bestimmen.

https://www.labhart-schmuck.ch/de/schmuck/Varia#article_212

Das blaue Wunder

Fingerring
Silber 925, hitzebehandelte, gefärbte Stahlkugel (12 mm)

Schon vor längerer Zeit hatte ich für nicht wenig Geld eine prächtige, blaugraue Perle erworben; diese wollte ich nun endlich auf einen Ring montieren. Die geschwungene Form von Ring und Fassung sollte die wertvolle Perle richtig zur Schau stellen und zelebrieren. Beim Vorbereiten der Perle für die schon fertig gestellte Fassung passierte ein Missgeschick; die Perle war ruiniert! Was tun? Zufällig besass ich einige Stahlkugeln von der exakt gleichen Grösse wie die Perle. Es gelang mir, einige davon mit dem Gasbrenner thermisch blau zu färben (sog. Anlauffärbung); die schönste von ihnen habe ich in die Fassung montiert. An Stelle der wertvollen echten Perle zelebriert der Ring also lediglich ein materiell praktisch wertloses, wenn auch kunstvolles Stück Stahl.